Tag 13 – Einfach einmal durchatmen

Nach dem großen Tag der „Journée Spéciale des Apprentis –Deuxième Édition“ war am 13. Tag zunächst einmal Ruhe angesagt.

Ich merkte die vergangenen Tage deutlich in meinem Körper.

So schön und bewegend der Tag der Azubis gewesen war – die vielenVorbereitungen, die Fahrten, die Organisation, die Gespräche, dieEmotionen und die Verantwortung hatten Kraft gekostet.

Also hieß es heute: aufräumen und anschließend etwas kürzertreten.

Wir räumten die letzten Sachen weg, sortierten Materialien und brachten alles wieder an seinen Platz.

Danach gönnten wir uns etwas Ruhe.

Ich saß da und ließ die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren.

Die Gesichter der Azubis gingen mir nicht aus dem Kopf. Ihre Freude über die Arbeitssets. Ihre Nervosität. Ihr Stolz. Die Dankbarkeit in ihren Augen.

In solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst, warum ich diese Reise mache.

Es geht nicht nur um Projekte.

Es geht um Menschen.

Um junge Menschen, die eine Chance brauchen – und manchmal nur jemanden, der an sie glaubt und ihnen sagt:

„Mach weiter. Du kannst es schaffen.“

 

Tag 14 – Ein neuer Schulanfang

Am nächsten Morgen begann auch in Togo das neue Schuljahr.

Für viele Kinder ist der erste Schultag ein ganz normaler Teil desLebens.

Für mich ist er jedes Mal etwas Besonderes.

Denn wenn ich durch die Schule gehe und unsere Schützlinge sehe, kenne ich inzwischen viele Geschichten hinter diesen Gesichtern.

Ich sehe nicht einfach nur Schülerinnen und Schüler.

Ich sehe Kinder und Jugendliche, deren Weg wir ein Stück begleiten dürfen.

Einige von ihnen kenne ich schon seit Jahren. Ich sehe, wie siewachsen, selbstbewusster werden und ihre eigenen Vorstellungen von ihrer Zukunft entwickeln.

Und genau dafür lohnt sich unsere Arbeit.

Bildung als Chance ist für Kekeli kein bloßer Satz.

Ich erlebe jeden Tag, was dieser Satz bedeuten kann.

Ein Stück Brot und ein paar Worte

In der Mittagspause trafen wir uns im CLACK.

Es war kein großer offizieller Termin.

Wir wollten einfach bei den Kindern sein.

Ein bisschen zuhören. Ein bisschen reden. Mut machen.

Und natürlich hatten wir Brot dabei.

Wir verteilten Brot an die Schülerinnen und Schüler.

Vielleicht klingt das für jemanden weit entfernt nach einer kleinen Sache.

Für mich sind es genau diese kleinen Momente, die eine Partnerschaft lebendig machen.

Ein Kind nimmt ein Stück Brot entgegen, schaut mich an und lächelt.

Mehr braucht es manche nicht.

Ich möchte, dass diese Kinder wissen:

Ihr seid nicht vergessen.

Ihr seid nicht allein.

Und eure Zukunft ist uns wichtig.

 

Tag 15 – Drei junge Menschen, drei neue Wege

Der 15. Tag begann wieder sehr früh.

6:00 Uhr.

Während andere vielleicht noch schliefen, waren wir bereits auf den Beinen.

Dieser Tag war für drei junge Menschen besonders wichtig:

Adjo Happy, Hodalo Florence und Roland Michel.

Alle drei werden eine Ausbildung im Bereich Agrarwirtschaft beginnen.

Für mich war das ein weiterer dieser Tage, an denen man unmittelbar sieht, was aus einer Idee werden kann.

Wir reden bei Kekeli oft über Ausbildung, Perspektiven und Zukunft.

Heute wurde daraus Realität.

Von Klologo nach Kpomé

Hodalo und Adjo kamen aus Klologo zu uns.

Nach einem gemeinsamen Frühstück machten wir uns gegen 10:00 Uhr auf den Weg nach Kpomé, etwa 25 Kilometer entfernt.

Unser Ziel war das Institut SICHEM.

Dort angekommen begann zunächst das, was niemand besonders liebt, aber unbedingt dazugehört: die Formalitäten.

Für drei Personen mussten zahlreiche Unterlagen bearbeitet und die schriftlichen Einschreibungsformalitäten erledigt werden.

Es dauerte.

Und es dauerte.

Aber während wir warteten, dachte ich mir:

Jede Unterschrift bringt diese drei Jugendlichen ihrem neuen Lebensabschnitt ein Stück näher.

Also nimmt man auch die langen Formalitäten gerne in Kauf.

Landwirtschaft erleben – nicht nur darüber sprechen

Nach dem schriftlichen Teil bekamen wir eine ausführlicheFührung durch den großen Komplex.

Und diese Führung hat mich besonders beeindruckt.

Wir sahen verschiedene Bereiche – von der landwirtschaftlichen Produktion und Verarbeitung über die Tierzucht bis hin zum Verkauf der eigenen Produkte in einer eigenen Boutique.

Hier wird Landwirtschaft nicht nur erklärt.

Hier wird sie gelebt.

Man sieht den gesamten Weg: vom Anbau und der Produktion über die Weiterverarbeitung bis hin zum fertigen Produkt und dessen Verkauf.

Ich dachte dabei an unsere drei Jugendlichen.

Sie werden nicht nur etwas lernen.

Sie bekommen die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und vielleicht eines Tages selbst etwas aufzubauen.

Genau darum geht es bei Ausbildung.

Nicht darum, jemanden abhängig zu machen.

Sondern darum, Fähigkeiten zu vermitteln, mit denen ein Mensch sein eigenes Leben gestalten kann.

„Jetzt geht es wirklich los“

Dann kam ein für die drei Auszubildenden besonderer Moment.

Sie bekamen ihre Stoffe für die Ausbildungsuniform.

Diese müssen nun konfektioniert werden und bis Montag fertig sein.

Ich beobachtete die drei.

Es war nur Stoff.

Aber gleichzeitig war es viel mehr.

Es war ein sichtbares Zeichen dafür, dass jetzt ein neuer Abschnitt beginnt.

Eine neue Ausbildung.

Neue Aufgaben.

Neue Verantwortung.

Neue Hoffnung.

Ich musste dabei an die vielen jungen Menschen denken, die wir bei Kekeli inzwischen begleiten.

Jeder Ausbildungsplatz ist für uns mehr als nur eine Zahl.

Hinter jedem Namen steht ein Mensch.

Eine Familie.

Eine Geschichte.

Und ein Traum.

Einkaufen für den ersten Ausbildungstag

Aber bevor der erste Ausbildungstag beginnen konnte, mussten noch die notwendigen Materialien besorgt werden.

Also ging es weiter.

Wir kauften Ausbildungsmaterial – von Hacken und anderen landwirtschaftlichen Werkzeugen bis hin zur notwendigen Schutzausrüstung, unter anderem einer Gasmaske.

Der Tag wurde länger und länger.

Von der frühen Abfahrt über die Einschreibung, die Führung durch das Institut und die Ausstattung bis hin zum Einkauf.

Erst gegen 20:00 Uhr kamen wir wieder in Agovoudou an.

Ich war müde.

Sehr müde.

Aber als ich an diesem Abend auf die Ereignisse des Tages zurückblickte, war da vor allem ein Gefühl:

Zufriedenheit.

Denn drei junge Menschen hatten an diesem Tag einen neuen Weg begonnen.

Drei Namen, drei Chancen

Adjo Happy.

Hodalo Florence.

Roland Michel.

Drei Namen.

Drei junge Menschen.

Drei neue Wege.

Vielleicht wissen sie heute noch nicht, wohin dieser Weg sie genau führen wird.

Aber sie haben begonnen.

Und manchmal ist genau das der wichtigste Schritt.

Ich habe auf dieser Projektreise schon viele bewegende Momente erlebt.

Doch solche Tage erinnern mich immer wieder daran, dass Entwicklung nicht über Nacht geschieht.

Sie beginnt oft ganz leise.

Mit einem Schulbesuch.

Mit einem Stück Brot.

Mit einer Einschreibung.

Mit einer Uniform.

Mit einer Hacke in der Hand.

Und mit einem jungen Menschen, der plötzlich spürt:

„Ich bekomme eine Chance.“

Für mich ist genau das Kekeli.

Nicht nur helfen.

Nicht nur geben.

Sondern begleiten, ermutigen und Menschen befähigen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Bildung als Chance.

Ausbildung als Perspektive.

Zukunft durch eigenes Können.

Und morgen geht es weiter.

 


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