Der 23. Tag meiner Projektreise begann ähnlich wie der Tag zuvor. Wieder ging es um eine junge Frau, die einen wichtigen Schritt in ihrem Leben machen wollte.
Dieses Mal war es Kotoklo Afi.
Afi sollte – genau wie Adjo Olivia am Vortag – ihre Ausbildung zur Coiffure-Tresse-Esthétique am Centre de Formation Professionnelle Marie Dominique in Lomé beginnen. Der Ablauf war deshalb fast identisch: Einschreibung, Formalitäten und anschließend die Besorgung der Stoffe für die Ausbildungsuniform.
Eigentlich hätten wir Afi und Olivia bereits am selben Tag einschreiben können. Bei Afi fehlte allerdings an diesem Tag noch die Bestätigung ihres Abiturzeugnisses. Deshalb mussten wir warten.
Bei Olivia war es dagegen genau umgekehrt: Sie konnte und wollte nicht länger warten.
Am Tag ihrer Einschreibung erzählte sie mir etwas, das mich sehr berührt hat. Sie hatte die ganze Zeit Angst gehabt, dass es vielleicht nicht mehr klappen könnte. Dass vielleicht kein Ausbildungsplatz mehr frei wäre. Oder dass Kekeli Togo e.V. die Liste für dieses Ausbildungsjahr bereits schließen würde.
Ich konnte ihre Ungeduld plötzlich verstehen.
Olivia hatte eine unglaubliche Sehnsucht danach, endlich mit ihrer Ausbildung zu beginnen. Sie möchte so schnell wie möglich etwas lernen, etwas in den Händen haben – einen Beruf, eine Perspektive, eine Möglichkeit, selbst etwas aufzubauen.
Nicht nur für sich.
Sie möchte ihre Mutter und ihre vier Geschwister unterstützen.
Ihr Vater ist bereits 2015 verstorben. Seitdem musste ihre Mutter gemeinsam mit der älteren Schwester und dem älteren Bruder die Familie durch die Arbeit auf dem Acker ernähren.
Wenn man solche Geschichten hört, bekommt das Wort „Ausbildung“ eine ganz andere Bedeutung.
Es geht nicht mehr nur um Schule oder einen Abschluss.
Es geht um Würde.
Um Selbstständigkeit.
Um die Hoffnung, irgendwann sagen zu können: „Ich kann meine Familie unterstützen.“
Und genau deshalb sind solche Momente für mich bei Kekeli Togo e.V. so wichtig.
Afi bekam an diesem Tag ebenfalls ihre Chance. Schritt für Schritt wurden die notwendigen Formalitäten erledigt und auch für sie begann damit ein neuer Abschnitt.
Wieder eine junge Frau, die nicht auf Hilfe warten möchte, sondern lernen und sich selbst eine Zukunft aufbauen will.
Und wieder wurde mir bewusst, warum wir das tun.
Bildung als Chance – nicht als Versprechen für irgendwann, sondern als konkrete Möglichkeit für ein anderes Morgen.
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