Tag 16 – Ein Zertifikat ist nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang
Der 16. Tag meiner Projektreise war wieder ein Tag, an dem wir sehr viel unterwegs waren.
Diesmal stand nicht ein großes Treffen in Klologo oder eine Veranstaltung im Mittelpunkt. Es ging um etwas, das auf den ersten Blick vielleicht weniger sichtbar ist, für die Zukunft unserer Jugendlichen aber von enormer Bedeutung ist: die Zertifizierung und Registrierung des erfolgreichen Ausbildungsabschlusses von Thérèse.
Thérèse hat ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und neben ihrem CFA auch ihr CAP erworben. Nach all den Jahren der Begleitung durch Kekeli Togo e.V. war dieser Tag deshalb für mich etwas Besonderes.
Denn ein Abschluss auf einem Papier ist wichtig. Er bestätigt offiziell, was jemand gelernt und geleistet hat. Aber für uns bedeutet ein Abschluss noch viel mehr: Er soll der Beginn eines selbstbestimmten Lebens sein.
Deshalb ging es an diesem Tag nicht nur um die notwendigen Formalitäten für die Zertifizierung und Registrierung. Wir haben Thérèse gleichzeitig für eine intensive Weiterbildung angemeldet, die ausschließlich erfolgreichen Absolventinnen und Absolventen offensteht.
Diese Weiterbildung ist mehr als eine zusätzliche fachliche Ausbildung. Sie ist eine Art Coaching für junge Gründerinnen und Gründer, die den nächsten Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen.
Wie führt man ein eigenes Unternehmen?
Wie kalkuliert man Preise?
Wie organisiert man Material und Aufträge?
Wie geht man mit Kundinnen und Kunden um?
Wie baut man sich einen eigenen Kundenstamm auf?
Und vor allem: Wie macht man aus dem eigenen erlernten Handwerk eine tragfähige Existenz?
Für Thérèse ist das Ziel klar.
Sie möchte eines Tages ihre eigene Werkstatt für hochwertige Schneiderei eröffnen.
Wenn ich darüber nachdenke, wo Thérèse einmal stand und wo sie heute angekommen ist, wird mir bewusst, was Ausbildung bewirken kann.
Aus einem Mädchen, das Unterstützung brauchte, ist eine junge Frau geworden, die einen Beruf erlernt hat, Prüfungen bestanden hat und nun beginnt, über ihre eigene Werkstatt und ihre berufliche Zukunft nachzudenken.
Das ist für mich „Bildung als Chance“.
Und genau deshalb endet unsere Arbeit nicht mit dem Abschlusszeugnis.
Wir möchten die jungen Menschen nicht nur bis zur Prüfung begleiten. Wir möchten sie – soweit unsere Möglichkeiten reichen – auch auf dem Weg in ein selbstständiges und unabhängiges Leben unterstützen.
Tag 17 – Abschied in Klologo: Tränen zwischen Schmerz und Hoffnung
Der 17. Tag war ein ganz anderer Tag.
Ich verbrachte den ganzen Tag in Klologo.
Zunächst gab es Gespräche und Treffen mit dem Vorstand von Azoli Yéyé sowie mit Vertreterinnen und Vertretern der Auszubildenden. Wir blickten gemeinsam auf die Journée Spéciale des Apprentis zurück.
Wir sprachen darüber, was gut gelaufen ist, was wir gemeinsam erreicht haben und was für die nächsten Ausbildungsjahrgänge noch verbessert werden kann.
Solche Gespräche sind für mich sehr wichtig. Denn ein Projekt lebt nicht nur von einzelnen Veranstaltungen. Es lebt von Zusammenarbeit, Vertrauen und von Menschen vor Ort, die Verantwortung übernehmen.
Danach ging es weiter zu den Familien.
Wir besuchten Eltern von Mädchen, die ihre Ausbildung nicht direkt in Klologo absolvieren, sondern in Lomé, Kpomé, Afangnan, Vogan und anderen Orten außerhalb des Dorfes.
Diese Besuche hatten für mich eine besondere Bedeutung.
Denn wenn ein Mädchen Klologo verlässt, um in einer anderen Stadt oder einem anderen Ort eine Ausbildung zu beginnen, verlässt sie nicht einfach nur ihr Dorf.
Sie verlässt ihre Familie.
Ihre Eltern müssen loslassen.
Die Großeltern müssen loslassen.
Freunde und Freundinnen müssen Abschied nehmen.
Nachbarn verabschieden ein Mädchen, das sie vielleicht seit ihrer Kindheit kennen.
Und gleichzeitig wissen alle:
Dieses Mädchen geht nicht weg, weil es Klologo den Rücken kehren möchte. Sie geht, um eine Zukunft aufzubauen.
Der Abschied von Happy und Olivia
An diesem Tag nahmen wir auch Happy und Olivia mit.
Der Abschied war unglaublich emotional.
Es waren nicht nur die Eltern, die Tränen in den Augen hatten. Auch Großeltern, Geschwister, Freunde, Freundinnen und Nachbarn waren gekommen.
Es wurde umarmt, gesprochen, gelacht – und geweint.
Diese Tränen waren für mich keine Tränen der Verzweiflung.
Sie waren Tränen des Abschieds.
Aber gleichzeitig waren sie auch Tränen der Hoffnung.
Hoffnung darauf, dass die Ausbildung den Mädchen eine andere Zukunft ermöglicht.
Hoffnung darauf, dass sie eines Tages mit einem erlernten Beruf zurückkommen können.
Hoffnung darauf, dass sie nicht abhängig bleiben müssen, sondern ihr eigenes Einkommen verdienen und vielleicht eines Tages selbst andere junge Menschen ausbilden können.
Als wir uns schließlich auf den Weg machten – von Klologo, dem Dorf, in Richtung Lomé, der Hauptstadt – blieb bei mir ein sehr gemischtes Gefühl zurück.
Der Abschied tat weh.
Aber gleichzeitig war da Stolz.
Stolz auf die jungen Menschen, die diesen Schritt wagen.
Stolz auf die Familien, die trotz der emotionalen Trennung ihre Töchter gehen lassen.
Und Dankbarkeit gegenüber all den Menschen in Klologo, die unsere Arbeit unterstützen.
„Danke, dass ihr unseren Kindern eine Chance gebt.“
Was mich an diesem Tag besonders berührt hat, waren die Worte der Eltern und Angehörigen.
Immer wieder hörten wir Dankbarkeit gegenüber Kekeli Togo e.V.
Nicht, weil wir ihnen etwas geschenkt hätten.
Sondern weil wir ihren Kindern eine Chance ermöglichen.
Eine Chance auf Ausbildung.
Eine Chance auf einen Beruf.
Eine Chance auf eigenes Einkommen.
Eine Chance auf Selbstständigkeit.
Und damit eine Chance auf eine bessere Zukunft.
Als wir Klologo verließen, war deshalb nicht nur Abschied in unseren Herzen.
Es war auch Hoffnung.
Die Hoffnung, dass die Mädchen und Jungen, die heute ihre Heimat verlassen, eines Tages als ausgebildete Fachkräfte zurückkehren – selbstbewusst, unabhängig und mit dem Wissen, dass ihre Zukunft nicht von ihrer Herkunft bestimmt werden muss.
Ich habe an diesem Tag wieder verstanden, warum wir diese Arbeit machen.
Es geht nicht nur darum, heute zu helfen.
Es geht darum, jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, ihr eigenes Morgen zu gestalten.
Und manchmal bedeutet das, dass wir sie für eine Weile loslassen müssen.
Mit Tränen in den Augen.
Aber mit Hoffnung im Herzen.
Von Klologo nach Lomé.
Vom Abschied in eine neue Lebensphase.
Von der Ausbildung in Richtung Selbstständigkeit.
Und von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Das ist der Weg, den wir mit Kekeli Togo e.V. gemeinsam gehen.
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