Tag 24 – Verantwortung beginnt mit Vertrauen
Der 24. Tag begann früh.
Bereits gegen 9 Uhr waren wir in Klologo.
An diesem Tag stand ein großes Treffen auf dem Programm: die neuen Auszubildenden gemeinsam mit ihren Eltern, Großeltern, Onkeln, Tanten und den jeweiligen Meisterinnen und Meistern.
Für mich ist ein solcher Termin immer mehr als nur eine organisatorische Veranstaltung.
Wenn junge Menschen in eine Ausbildung aufgenommen werden, übernehmen viele Menschen Verantwortung – nicht nur die Jugendlichen selbst.
Die Familie trägt Verantwortung.
Die Ausbilderinnen und Ausbilder tragen Verantwortung.
Die Partner tragen Verantwortung.
Und auch Kekeli Togo e.V. trägt Verantwortung.
Deshalb begann das Treffen mit einem Aufklärungsvortrag von mir.
Ich sprach über Themen, die uns bei Kekeli Togo e.V. seit Jahren besonders wichtig sind: Frühschwangerschaft, Frühheirat und Hautbleichung.
Es geht dabei nicht darum, junge Menschen zu belehren oder ihnen Angst zu machen.
Es geht darum, ihnen Wissen zu geben.
Wissen über die Risiken.
Wissen über die eigenen Rechte.
Und vor allem das Bewusstsein, dass eine junge Frau oder ein junger Mann eine Zukunft verdient, in der Entscheidungen nicht durch Druck, Zwang oder fehlende Perspektiven bestimmt werden.
Anschließend ging es auch um unseren Ehrenkodex.
Der Schutz von Schutzbefohlenen und besonders bedürftigen Menschen – insbesondere Kindern und Jugendlichen – ist für uns keine Nebensache.
Kekeli Togo e.V. und unsere Partner verpflichten sich dazu, diese Grundsätze zu respektieren und danach zu handeln.
Danach wurden die entsprechenden Engagements und Ausbildungsverträge von einigen der neuen Auszubildenden unterzeichnet.
Sie kommen nicht nur aus Klologo. Auch junge Menschen aus Yohonou, Tokpli, Mamissi, Djzokoetoe und weiteren Orten gehören dazu.
Für mich war es ein besonderer Moment, diese jungen Menschen dort sitzen zu sehen.
Hinter jedem Namen steht eine eigene Geschichte.
Hinter jedem Vertrag steht eine Familie.
Und hinter jeder Unterschrift steht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Zeit für die schwierigen Geschichten
Nach dem gemeinsamen Treffen führte ich noch zahlreiche Einzelgespräche.
Gerade diese Gespräche gehören zu den schwierigsten Momenten meiner Arbeit.
Denn nicht jede Familie hat die gleichen Möglichkeiten.
Manche Jugendliche haben kaum Unterstützung. Manche sind auf sich allein gestellt. Es gibt alleinerziehende Mütter, die selbst ums Überleben kämpfen und trotzdem versuchen, ihren Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen.
In solchen Situationen merkt man sehr schnell, dass ein Ausbildungsplatz allein nicht immer genügt.
Manchmal braucht es zusätzliche Unterstützung.
Manchmal braucht es Geduld.
Und manchmal braucht es einfach jemanden, der zuhört und gemeinsam nach einer Lösung sucht.
Genau dort zeigt sich für mich der eigentliche Sinn unserer Arbeit.
Nicht nur Verträge unterschreiben und Listen führen.
Menschen begleiten.
Ein Besuch bei den Kleinsten
Bevor wir Klologo wieder verließen, besuchten wir noch den Kindergarten.
Und dort wartete eine ganz andere Atmosphäre auf uns.
Die Kinder begrüßten uns mit strahlenden Augen, Gesang und Tanz.
Mit ihren kleinen Stimmen richteten sie liebe Grüße an die YOWOS – an die Menschen, die sie als Unterstützer aus Europa kennen.
Es war einer dieser kleinen Momente, die einem nach einem langen und anstrengenden Tag wieder Energie geben.
Kinder brauchen keine großen Worte.
Ein Lied.
Ein Tanz.
Ein Lächeln.
Und plötzlich ist alles da.
Wir machten uns schließlich auf den Rückweg.
Gegen 18 Uhr waren wir wieder unterwegs. Kurz danach beginnt in dieser Jahreszeit bereits die Dämmerung – zwischen etwa 18:15 und 18:30 Uhr wird es schnell dunkel.
Ich schaute noch einmal zurück.
Ein langer Tag lag hinter uns.
Neue Ausbildungsverträge waren unterschrieben.
Neue Wege hatten begonnen.
Schwierige Situationen waren angesprochen worden.
Und die Kinder hatten uns mit ihrem Lachen verabschiedet.
Vielleicht ist genau das Kekeli:
Eine Tür öffnen – und dann nicht einfach wieder gehen.
Sondern bleiben, zuhören, begleiten und gemeinsam dafür sorgen, dass aus einer Chance irgendwann eine wirkliche Zukunft werden kann.
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