Vom 1. September bis zum 1. Oktober 2026 – eine Reise zwischen zwei Heimaten, die mich menschlich bewegt, emotional berührt und in meiner Überzeugung bestärkt hat: Bildung ist nicht nur ein Recht. Bildung ist eine Chance, ein Schlüssel zur Selbstbestimmung und der Anfang einer tiefgreifenden Veränderung.
Manchmal gibt es Reisen, von denen man zurückkommt und einfach nur schöne Erinnerungen mitbringt. Und dann gibt es Reisen, die etwas mit einem machen. Reisen, die einen nicht mehr loslassen, weil man Menschen begegnet ist, deren Geschichten, Hoffnungen, Träume und Lebensrealitäten tief im eigenen Herzen Spuren hinterlassen.
Die Projektreise von Kekeli Togo e.V. 2026 war für mich eine solche Reise.
Am 1. September bin ich nach Togo aufgebrochen. 31 Tage später, am 1. Oktober, bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Dazwischen lagen intensive Wochen voller Arbeit, Begegnungen, Herausforderungen, Freude, bewegender Momente und manchmal auch Tränen.
Ich bin nach Togo gereist, um gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort unsere Projekte voranzubringen, junge Menschen zu begleiten und neue Bildungsperspektiven zu schaffen. Ich bin mit vielen Eindrücken zurückgekehrt. Aber vor allem mit einer tiefen Gewissheit:
Unsere Arbeit verändert etwas. Sie verändert Lebenswege. Sie verändert Zukunftsperspektiven. Und sie beginnt, gesellschaftliche Strukturen zu verändern.
Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Projektreise.
Wenn ich die einzelnen Tage vor meinem inneren Auge noch einmal vorbeiziehen lasse, dann sehe ich nicht zuerst die vielen Kilometer, die zahlreichen Besprechungen oder die organisatorischen Herausforderungen.
Ich sehe die Menschen. Ich sehe die Jugendlichen. Und ich sehe vor allem die Mädchen.
Mädchen, die nicht einfach nur eine Ausbildung beginnen. Mädchen, die damit beginnen, ihre eigene Zukunft in die Hand zu nehmen. Mädchen, die vielleicht zum ersten Mal erleben, dass ihre Träume nicht unerreichbar sein müssen.
Genau darin liegt für mich der eigentliche Transformationscharakter unserer Arbeit.
Eine Ausbildung ist viel mehr als das Erlernen eines Berufs. Sie kann der Schlüssel zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit, Selbstbestimmung, gesellschaftlicher Anerkennung und einem selbstbestimmten Leben sein.
Besonders für Mädchen in ländlichen Regionen Togos bedeutet eine solche Chance unglaublich viel. Sie eröffnet Alternativen zu frühen Heiraten, frühen Schwangerschaften, wirtschaftlicher Abhängigkeit und Perspektivlosigkeit.
Wo früher Grenzen waren, entstehen Möglichkeiten. Wo früher Abhängigkeit herrschte, wächst Selbstvertrauen. Wo früher die Zukunft ungewiss war, entstehen konkrete Lebensperspektiven.
Und das ist keine theoretische Überlegung mehr. Wir erleben diese Veränderungen bereits.
Einer der bewegendsten Schwerpunkte dieser Projektreise war zweifellos die Begleitung unserer Auszubildenden.
Die Journée Spéciale des Apprentis – Deuxième Édition am 12. September in Klologo war dafür ein ganz besonderer Höhepunkt.
Es war mehr als eine offizielle Veranstaltung. Es war ein Tag der Anerkennung, der Wertschätzung und der Hoffnung.
Dreizehn erfolgreiche Auszubildende wurden der Gemeinschaft vorgestellt und für ihre bestandenen Prüfungen ausgezeichnet. Darunter Thérèse, die ihre berufliche Qualifikation mit CFA und CAP erfolgreich abgeschlossen hatte.
Die Freude in den Gesichtern dieser jungen Menschen war kaum zu beschreiben.
Besonders bewegend war die Übergabe der beruflichen Startersets: Nähmaschinen, Haartrockner, Haarschneidesets und Ausstattung für den Einstieg in die Selbstständigkeit.
Denn wir wollten nicht nur sagen: Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es geschafft!
Wir wollten auch sagen: Wir glauben an euch. Wir trauen euch etwas zu. Und wir möchten euch dabei unterstützen, euren eigenen Weg weiterzugehen.
Für mich ist das ein entscheidender Unterschied zwischen kurzfristiger Hilfe und nachhaltiger Entwicklungsarbeit.
Wir möchten nicht Menschen dauerhaft von Unterstützung abhängig machen. Wir möchten dazu beitragen, dass sie eines Tages selbstständig für sich und ihre Familien sorgen und vielleicht sogar weitere Arbeitsplätze schaffen können.
Besonders stolz macht mich, dass immer mehr Mädchen Ausbildungsberufe ergreifen, die in ihrem Umfeld bislang häufig als klassische Männerberufe galten: Elektrikerin, Maurerin, Tischlerin, Kfz-Mechanikerin oder Malerin.
Das sind nicht nur Ausbildungsentscheidungen. Das sind Zeichen eines gesellschaftlichen Wandels.
Wenn ein Mädchen einen Beruf erlernt, verändert das nicht nur ihr eigenes Leben. Es verändert möglicherweise auch die Zukunft ihrer Familie und das Bild, das die nächste Generation von den Möglichkeiten eines Mädchens hat.
Ein weiterer wichtiger Abschnitt der Reise war die konkrete Aufnahme und Begleitung neuer Jugendlicher in ihre Ausbildung.
Adjo Happy, Hodalo Florence und Roland Michel erhielten die Möglichkeit, ihre Ausbildung im Bereich Agrarlandwirtschaft am Institut SICHEM in Kpomé zu beginnen.
Olivia wurde am Institut de Formation Professionnelle Marie Dominique in Ablogamé/Lomé für die Ausbildung Coiffure-Tresse-Esthétique aufgenommen. Auch weitere junge Frauen konnten auf ihrem Weg in die berufliche Ausbildung begleitet werden.
Hinter jeder Einschreibung steht eine Geschichte. Hinter jeder Entscheidung stehen Eltern, Hoffnungen, manchmal Ängste und die große Frage, ob die eigene Tochter oder der eigene Sohn wirklich eine Chance auf eine andere Zukunft bekommen wird.
Ich werde die Besuche bei den Familien nicht vergessen. Die Gespräche, die Erwartungen, die emotionalen Verabschiedungen und das Vertrauen, das uns entgegengebracht wurde.
Besonders die Momente, in denen junge Mädchen ihr Dorf verlassen, um an einem anderen Ort eine Ausbildung zu beginnen, haben mich tief berührt.
Es ist nicht selbstverständlich, dass Eltern ihre Töchter diesen neuen Weg gehen lassen. Es braucht Vertrauen, Mut und Unterstützung.
Deshalb endet unsere Verantwortung nicht mit der Anmeldung in einer Ausbildungseinrichtung.
Wir begleiten die Jugendlichen, kümmern uns um Unterkunft, notwendige Materialien, Verpflegung und die organisatorischen Voraussetzungen. Wir versuchen, Hindernisse zu beseitigen, damit sie sich auf das konzentrieren können, worauf es ankommt: Lernen, sich entwickeln und ihren beruflichen Weg gestalten.
Eine Ausbildungschance darf nicht an einer fehlenden Matratze, einem Schulheft, einer Fahrkarte oder an der finanziellen Situation der Familie scheitern.
Das ist unser Verständnis von konkreter Solidarität.
Unsere Arbeit beschränkt sich jedoch nicht auf die berufliche Ausbildung einzelner Jugendlicher.
Die Entwicklung von Klologo ist ein gemeinsamer Prozess, bei dem Bildung, Gesundheit, Wasser und gesellschaftliche Teilhabe zusammengehören.
Die drei solarbetriebenen Wasseranlagen mit insgesamt 36 Wasserentnahmestellen, die Versorgung der Schulen und des Kindergartens sowie der Zugang zu sauberem Wasser für einen großen Teil der Bevölkerung sind sichtbare Ergebnisse gemeinsamer Anstrengungen.
Die öffentliche Grundschule mit ihren vier Klassenräumen, den Büros und den sanitären Einrichtungen ist ein weiterer wichtiger Meilenstein.
Und das CLACK – Centre de Lecture et d’Activités Culturelles – ist für mich weit mehr als ein Gebäude.
Es ist ein Ort der Begegnung, des Lesens, des Lernens und der Persönlichkeitsentwicklung. Ein Ort, an dem junge Menschen ihre Fähigkeiten entdecken und ihre Stimme finden können.
Auch die Workshops zur Prävention von Frühschwangerschaften und Frühverheiratungen gehören zu diesem Entwicklungsansatz.
Denn wir dürfen nicht nur die Folgen von Armut bekämpfen. Wir müssen auch an den Ursachen arbeiten.
Die bisherigen Erfahrungen mit unseren begleiteten Jugendlichen, insbesondere die positiven Entwicklungen im Bereich der Prävention, bestärken uns darin, diesen Weg konsequent weiterzugehen.
Neben den offiziellen Veranstaltungen, den Ausbildungsaufnahmen und den Projektbesprechungen gab es viele Augenblicke, die vielleicht auf keinem Projektbericht vollständig sichtbar werden.
Das gemeinsame Lachen. Die Gespräche mit den Jugendlichen. Die Rhythmen der Bobobor-Musik bei unserem Treffen. Die sportlichen Begegnungen. Die Kleinfeldturniere der Mädchen, Mütter und Jungen. Die Freude über kleine Gesten. Die Dankbarkeit der Familien.
Und natürlich die vielen Stunden, in denen wir organisiert, geplant, eingekauft, transportiert, diskutiert und improvisiert haben.
Manchmal war es spät in der Nacht, manchmal begann der Tag schon vor Sonnenaufgang.
Es gab Tage, an denen aus einem vermeintlichen Ruhetag plötzlich wieder ein voller Arbeitstag wurde.
Aber genau das gehört zu dieser Arbeit: Manchmal muss man einfach da sein, zuhören, reagieren und gemeinsam Lösungen finden.
Ich bin allein nach Togo gereist, aber ich war niemals wirklich allein. Ich hatte Menschen an meiner Seite, die mitgetragen, mitgedacht und mitgearbeitet haben.
Und dafür empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit.
An dieser Stelle möchte ich bewusst innehalten.
Denn hinter jedem erreichten Ziel, jeder Ausbildungschance, jedem Schulmaterial, jeder Unterstützung und jedem Lächeln stehen Menschen.
Menschen, die vielleicht nie selbst in Klologo gewesen sind, die aber durch ihre Unterstützung einen ganz konkreten Beitrag zum Leben anderer leisten.
Mein herzlichster Dank gilt deshalb:
– Dem gesamten Vorstand von Kekeli Togo e.V. für das Vertrauen, die Zusammenarbeit, die Verantwortung und das große Engagement. Für die vielen Stunden, die oft unsichtbar im Hintergrund geleistet werden. Für die Bereitschaft, gemeinsam Herausforderungen anzunehmen und Lösungen zu finden.
– Allen Vereinsmitgliedern, die unsere Arbeit mittragen, unterstützen und sich mit den Zielen unseres Vereins identifizieren.
– Allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die uns mit ihrer Zeit, ihren Fähigkeiten, ihren Ideen, ihrer persönlichen Verbundenheit und ihrer Ermutigung zur Seite stehen.
– Allen Spenderinnen und Spendern, die mit kleinen und großen Beträgen aus einer Idee eine konkrete Möglichkeit machen. Jeder Beitrag zählt. Jeder Euro kann Teil einer Ausbildung, eines Schulmaterials, einer Unterkunft oder einer neuen Lebensperspektive werden.
– Unseren Partnern und Verantwortlichen in Togo, insbesondere Azoli Yéyé und allen engagierten Menschen in Klologo, die vor Ort Verantwortung übernehmen und die Projekte mit Leben füllen.
Und natürlich danke ich allen Jugendlichen und ihren Familien für ihr Vertrauen.
Ihr seid nicht einfach die Empfänger unserer Unterstützung. Ihr seid die eigentlichen Akteure dieser Entwicklung. Eure Motivation, eure Anstrengungen und eure Bereitschaft, neue Wege zu gehen, geben unserer Arbeit ihren Sinn.
Kekeli Togo e.V. ist eine Gemeinschaft. Und diese Gemeinschaft lebt von jedem einzelnen Menschen, der sich einbringt.
Wenn ich nach 31 Tagen auf diese Projektreise zurückblicke, dann erfüllt mich vor allem eines: Dankbarkeit. Aber auch Verantwortung.
Denn wir haben viel erreicht. Wir sehen Ergebnisse. Wir erleben Veränderungen. Wir sehen Jugendliche, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen, junge Frauen, die berufliche Wege einschlagen, die ihnen früher vielleicht verschlossen geblieben wären, und Familien, die wieder Hoffnung schöpfen.
Doch gleichzeitig wissen wir: Wir stehen noch lange nicht am Ziel.
Es gibt weitere Jugendliche, die auf eine Ausbildungschance warten. Es gibt Mädchen, die Unterstützung brauchen, um ihre Träume verwirklichen zu können. Es gibt Familien, für die selbst die kleinsten Ausbildungskosten eine große Herausforderung darstellen.
Es gibt noch viel zu tun, damit Bildung und berufliche Qualifikation nicht vom Geldbeutel der Eltern oder vom Wohnort eines jungen Menschen abhängig sind.
Deshalb richte ich heute eine persönliche Bitte an alle, die sich mit unserer Arbeit verbunden fühlen:
Bitte bleibt an unserer Seite. Bitte unterstützt Kekeli Togo e.V. auch weiterhin. Bitte helft uns, diesen Weg fortzusetzen.
An diejenigen, die bereits spenden, sage ich: Danke, dass ihr Vertrauen in unsere Arbeit setzt.
An diejenigen, die bisher vielleicht nur unsere Berichte verfolgt haben, sage ich: Vielleicht ist jetzt der richtige Moment, Teil dieser Bewegung zu werden.
An diejenigen, die uns mit ihrer Zeit, ihren Kontakten, ihren Ideen oder ihrer persönlichen Unterstützung helfen können: Auch ihr seid herzlich willkommen.
Es muss nicht immer ein großer Betrag sein. Entscheidend ist, dass wir gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Denn wenn viele Menschen einen kleinen Beitrag leisten, können daraus große Veränderungen entstehen.
Und ich möchte eines ganz besonders betonen:
Wir brauchen keine Unterstützung aus Mitleid. Wir brauchen Partnerschaft aus Überzeugung.
Wir wollen keine Almosen verteilen. Wir wollen Chancen schaffen. Wir wollen junge Menschen befähigen, ihre Zukunft selbst zu gestalten. Wir wollen Mädchen stärken, damit sie selbstbestimmt leben und ihre Gesellschaft aktiv mitgestalten können.
Wir wollen nicht nur heute helfen. Wir wollen dazu beitragen, dass die nächste Generation morgen selbst Verantwortung übernehmen kann.
Das ist für mich nachhaltige Entwicklungsarbeit.
Am 1. Oktober 2026, um 20:30 Uhr, war ich wieder zu Hause in Hof.
Eine lange Reise war zu Ende. Der Koffer war angekommen. Die Begegnungen, die Emotionen und die Verantwortung aber waren geblieben.
Ich habe mich von Menschen verabschiedet, die mir ans Herz gewachsen sind. Ich habe Jugendliche auf den Weg in eine neue Zukunft geschickt. Ich habe Freude erlebt, Hoffnung gesehen und auch Momente erlebt, die mich nachdenklich gemacht haben.
Und ich weiß: Wenn ich irgendwann wieder nach Klologo zurückkehre, werden einige dieser jungen Menschen ein Stück weiter auf ihrem Weg sein.
Vielleicht wird Thérèse ihre eigene Nähwerkstatt eröffnet haben. Vielleicht werden Happy, Florence und Roland ihre ersten Ausbildungserfahrungen in der Landwirtschaft gesammelt haben. Vielleicht werden Olivia und die anderen jungen Frauen ihre ersten beruflichen Erfolge feiern.
Und vielleicht werden einige von ihnen eines Tages selbst anderen Jugendlichen eine Chance geben.
Das wäre für mich eine der schönsten Formen von Erfolg: Wenn aus Menschen, denen wir heute eine Chance ermöglichen, morgen Menschen werden, die selbst Chancen schaffen.
Dann hat sich nicht nur ein einzelnes Leben verändert. Dann beginnt Veränderung, sich weiterzutragen.
Liebe Freundinnen und Freunde von Kekeli Togo e.V., liebe Unterstützerinnen und Unterstützer, liebe Spenderinnen und Spender:
Lasst uns diese Entwicklung nicht abbrechen lassen.
Lasst uns gemeinsam weiterbauen – mit Geduld, mit Ausdauer, mit Menschlichkeit und mit dem festen Glauben daran, dass jeder junge Mensch eine Chance verdient.
Denn die Ergebnisse sind da. Die Veränderungen sind sichtbar. Die Hoffnung hat Gesichter bekommen.
Und das verpflichtet uns, weiterzumachen.
Kekeli Togo e.V. – Bildung als Chance. Chancen schaffen. Leben verändern. Zukunft gestalten.
❤️ Miawoézon! Vielen herzlichen Dank!
Akpe na mi katã! Merci à toutes et à tous !
Von Herzen danke ich euch allen. Für das Vertrauen, für die Solidarität und dafür, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen.
31 Tage sind vorbei. Unsere gemeinsame Geschichte geht weiter.
Denn eine Zukunft, die wir gemeinsam ermöglichen, ist eine Zukunft, die bleibt. ❤️
KEKELI TOGO e.V. · PROJEKTREISE 2026 · 1. SEPTEMBER – 1. OKTOBER 2026
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